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Google Yeti – Warum sich Sony und Co. warm anziehen müssen

Google Yeti – Warum sich Sony und Co. warm anziehen müssen

By In News On 27. Juli 2018


Der Videospielmarkt wächst kontinuierlich und generiert mittlerweile Umsätze von mehreren Millionen für einzelne Publisher. Aktuellen Meldungen zufolge möchte auch Google mit dem Projekt Google Yeti in diesem Bereich mitmischen. Warum sich Sony, Microsoft und Nintendo meiner Meinung nach Sorgen machen müssen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Google Yeti – Warum sich Sony und Co. warm anziehen müssen

Ein The Witcher 3 auf dem Tablet spielen? In Zukunft vielleicht problemlos möglich!

 

Wer auf den Geschmack von Videospielen gekommen ist, steht vor einer zentralen Frage. Legt man sich einen PC oder doch lieber eine Konsole zu. Eine eindeutige Antwort zu finden, ist äußerst schwierig. In verschiedenen Foren artet eine solche Frage schnell in umfangreiche Diskussionen aus und in sozialen Netzwerken herrscht auch heute noch stellenweise ein Meinungskrieg, was die bessere Wahl sei. In Zukunft wird sich die gesamte Angelegenheit nochmals deutlich ändern. Sony bietet mit PlayStation Now bereits einen eigenen Streaming-Service für Videospiele an und Electronic Arts arbeitet seit geraumer Zeit an einem eigenen Angebot.

Noch ist diese Angelegenheit an eine bestimmte Hardware – also beispielsweise an die PlayStation 4 – gebunden, aber künftig könnte das Endgerät uninteressant werden. Dann streame ich ein Assassin’s Creed über meine Konsole und im nächsten Moment setze ich das Spiel auf einem Tablet fort. Das klingt im ersten Moment verdammt interessant, gleichzeitig aber auch unrealistisch. Wie soll ein Tablet beispielsweise The Witcher 3 streamen? Die Antwort liegt in der Cloud.

Die intensiven Rechenprozesse werden nämlich genau dort abgewickelt, was bedeutet, dass mein Endgerät über keine ausgeklügelte Hardware verfügen muss. Und das bedeutet wiederum, dass dieses Gerät sehr preiswert sein kann. Mit Shield TV beweis Nvidia bereits eindrucksvoll, wie diese Technik funktionieren kann. Das Thema Cloud Gaming ist also längst keine Fantasie mehr, sondern bereits heute möglich.

Google greift an

Kommen wir nun zum Unternehmen mit Hauptsitz im kalifornischen Ort Mountain View. Wie die Kollegen von Kotaku berichten, treibt Google sein Vorhaben voran, künftig aktiv in der Videospiel-Industrie mitzumischen. Das Ziel sei die Etablierung einer Gaming-Plattform, die es mit den klassischen Angeboten von Sony, Microsoft und Nintendo aufnehmen kann. Zudem heißt es, dass diese Pläne bereits weit vorangeschritten seien. Neben der Plattform möchte Google außerdem eine eigene Hardware-Variante anbieten und um den Nachschub an Videospielen zu sichern, plant man mehrere Entwickler zu kaufen.

Ein Blick in die jüngste Vergangenheit zeigt, wie ernst man es meint. Im Rahmen der Game Developers Conference, die im März stattfand, gab es einige Treffen zwischen Google und großen Videospielentwicklern. Das gleiche Spiel fand während der E3 im Juni statt. Jedes Mal berichtet man vom eigenen Vorhaben, eine Plattform anbieten zu wollen, die auf leistungsstarken Servern basiere und somit ein qualitativ hochwertiges Streaming von Videospielen ermöglicht. Auf Google Yeti habe man das Projekt getauft. Aktuell ist jedoch unbekannt, ob Google mit diesem Vorhaben zum Angriff gegen die etablierten Größen wie Sony bläst oder ob man eng zusammenarbeiten will. Sollte der erste Fall zutreffen, darf man das bekannte Unternehmen aus Kalifornien nicht unterschätzen.

Ein Grundgerüst, das alles bieten kann

Für das Cloud-Gaming ist eine Vielzahl an Servern in leistungsstarken Rechenzentren notwendig. Dass uns Google diese Bedingung problemlos bieten kann, sollte außer Frage stehen. Allein die bekannte Suchmaschine benötigt eine enorme Server-Grundlage, die hervorragend funktioniert. Ich kann mich zumindest nicht daran erinnern, dass der Service irgendwann nicht zur Verfügung stand. Darüber hinaus ist man bemüht, eine Infrastruktur für Highspeed-Internet zu errichten. Die gebotene Geschwindigkeit soll bis zu 100 Mal schneller sein, als man es bisher kennt. Ein Gigabyte pro Sekunde ist das aktuelle Ziel und es soll völlig symmetrisch sein. Also sowohl der Download als auch der Upload sollen die besagte Geschwindigkeit bieten. Das unter Google Fiber abgewickelte Projekt ist bisher nur in den USA verfügbar und wird dort kontinuierlich ausgebaut. Natürlich funktioniert noch nicht alles perfekt und das Netz deckt bei Weitem nicht das gesamte Land ab, dass Google dieses große Ziel irgendwann verwirklichen wird, bezweifle ich keineswegs.

Ein weiterer Vorteil, über den Google verfügt, ist YouTube. Auf der Videoplattform finden sich unzählige Gameplay-Aufnahmen zu so ziemlich jedem Videospiel. Man würde den Spielern also nicht nur die Möglichkeit geben, einen beliebigen Titel auf einem beliebigen Gerät zu spielen. Man kann seine Erfahrung zudem problemlos mit anderen Spielern teilen. Auch die schnelle Suche nach einem Gameplay, das dem Spieler in einer schwierigen Situation weiterhilft, ist denkbar. Berücksichtigt man zusätzlich, dass Google auch eine eigene Hardware-Alternative und eigene Spiele bieten möchte, wird so ziemlich jeder notwendige Bereich abgedeckt. Es existiert die notwendige Infrastruktur, es wird ein eigenes Angebot an Spielen geboten und es besteht die Möglichkeit, alles schnell und einfach mit anderen zu teilen. Google Yeti könnte ein Rund-Um-Sorglos-Paket liefern.

Ohne Drittanbieter geht es trotzdem nicht

Auch wenn Google völlig unabhängig agieren könnte, benötigt man dennoch die Unterstützung anderer Unternehmen. Sollte man sich nämlich nur auf eigene Entwicklungen konzentrieren, ist das Angebot an Videospielen letztendlich zu gering, um die potenziellen Kunden zu überzeugen. Viele Entwickler zeigen sich aktuell skeptisch, ob dieses Vorhaben gelingt. Google lässt gern große Projekte im Sand verlaufen und auch der finanzielle Aufwand des Unternehmens wird als Kritikpunkt angesehen. Tatsächlich finde ich aktuell, dass das Angebot der anvisierten Plattform die große Herausforderung darstellt.

Selbst wenn es gelingt Größen wie Ubisoft, Activision und Electronic Arts mit an Bord zu holen, mangelt es immer noch an exklusiven Titeln. Denn genau diese stellen oftmals einen Kaufgrund aktueller Konsolen dar und sind gleichzeitig sehr kostenintensiv. Auf langer Sicht muss Google ebenfalls Titel bieten, die man nur im Streaming-Angebot finden kann. Wie dieses Vorhaben gelingen soll, ist mir im Moment noch ein Rätsel. Dass es aber nicht unmöglich ist, hat vor Jahren Microsoft mit seiner allerersten Xbox bewiesen.

Die geringen monatlichen Kosten

Ich gehe davon aus, dass man die Hardware-Lösung von Google nicht zwangsläufig benötigen wird. Es ist vielmehr ein auf den Sachverhalt optimiertes Gerät, das optional ist. Im Endeffekt muss man nur über ein gültiges Konto auf der Plattform verfügen und schon hat man Zugriff auf unzählige Videospiele. Im Idealfall läuft das dann wie bei Netflix und Spotify. Genau wie bei diesen Diensten könnten die monatlichen Kosten sehr überschaubar sein. Vielleicht bezahlt man 7,99 Euro und kann das Angebot dann uneingeschränkt nutzen. In Kombination mit der hohen Vielfalt bei der Wahl des Endgeräts, wäre Google Yeti schnell eine Bedrohung für Sony und Co. Bei diesen Gedanken kann zurecht die Befürchtung aufkommen, dass es sich aus finanzieller Sicht nicht für Google lohnen würde. Und selbst wenn das der Fall wäre, muss es nicht zwangsläufig ein Problem darstellen.

Ein gutes Beispiel ist Google Pay. Hierbei handelt es sich um einen Bezahldienst für Smartphones, das quasi die eigene Kreditkarte ersetzt. Diese benötigt man zwar weiterhin, muss sie aber nicht bei sich führen. Einen Anteil den Transaktionen bekommt Google übrigens nicht, sodass man keine Gewinne einspielt. Wie Google-Manager Spencer Spinnell erklärt, geht es auch nicht darum, Umsatz zu generieren. Vielmehr möchte man problemlose Geschäfte ermöglichen und somit Android attraktiver machen.

Und genau diesen Zweck könnte das künftige Cloud-Gaming des Internetriesen erfüllen. Zum einen wird YouTube im Idealfall intensiv genutzt, was die Werbeeinnahmen der Video-Plattform in die Höhe treiben kann. Zum anderen steigt die Nachfrage nach Google Fiber. Denn ohne eine schnelle Internetverbindung funktioniert das gesamte Vorhaben nicht. Vernachlässigen sollte man zudem nicht, dass Google mehr Daten über uns sammeln kann, was wiederum mehr Einnahmen ermöglicht. Im Endeffekt könnten also andere Geschäftsfelder von diesem Vorhaben profitieren. Hinzu gesellt sich eine immense finanzielle Grundlage, über die Google verfügt. Man könnte also nahezu ohne große Probleme in die neue Plattform investieren. Selbstverständlich sind Sony, Microsoft und Nintendo keine kleinen Unternehmen. Auch sie verfügen über entsprechende Mittel. Dass Google aber durchaus mehr realisieren kann, zeigen aktuelle Umsatz-Rankings, in denen man viel weiter oben zu finden ist als die vermeintliche Konkurrenz.

Alles nur Zukunftsmusik

Bei all diesen Überlegen sollte man nicht vergessen, dass Google Yeti noch nicht offiziell angekündigt wurde. Womöglich wird es nie diese Streaming-Plattform geben. Sollte sie dennoch kommen, müssen wir uns dagegen noch gedulden. Es wird sicherlich ein langsamer Prozess der Weiterentwicklung sein. Nach und nach könnte der Service besser und interessanter für Kunden werden. Natürlich kenne ich nicht den Businessplan von Google und kann daher nur spekulieren, was sie wirklich vorhaben. Gemessen an dem was ich gelesen habe und meine über wirtschaftliche Zusammenhänge zu wissen, empfinde ich die gesamte Angelegenheit aber als äußerst vielversprechend und zukunftsweisend. Wie so oft bleibt abzuwarten, wie sich das Vorhaben entwickeln wird. Hierzulande werden wir ohnehin erst 2050 in den Genuss kommen. Mit ein bisschen Glück ist das Internet dann in der Lage, Cloud-Gaming zu ermöglichen.


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